Manchmal kann ich einfach nichts dagegen tun, manchmal habe ich wirklich, ernsthaft das Gefühl in Ronja verliebt zu sein. Aber was viel schlimmer ist, manchmal denke ich, dass es sein könnte, dass sie sich vielleicht doch noch…
26. Mai 1996
Es ist schon unglaublich, wie Musik eine Zeit völlig aufsaugen kann. Wenn ich die Kuschelrock 8 höre, ich meine, bewusst höre, dann habe ich das Gefühl, es sei Weihnachten 94. Ich rieche die Kerze, die in meinem Zimmer gestanden hat. Ich höre Simone, ich spüre einen Hauch von Glück. Es war eine sehr schöne Zeit, auch wenn ich mir dessen damals nicht so recht bewusst war.
22. Mai 1996
Ich bin im Moment ein wenig, d.h. was heisst hier ein wenig, ich bin auf der Suche nach mir selbst. Wer bin ich und wer will ich sein (um es mit den Worten der Fantastischen zu sagen)? Ich weiss, ich höre mich fast schon wie Benji an, aber was solls?
Arme Joana, sie steht tatsächlich auf Benji. Ich fände es «supi», wenn sich zwischen ihnen etwas ergeben würde, aber es sieht sehr, sehr schlecht aus! Aber vielleicht tut es Joana mal ganz gut, dass es ihr gleich geht wie mir, das mit dem unglücklich verliebt sein, meine ich. Ach ja, Ronja sieht wirklich unglaublich aus, vor allem auch ihre Figur. Ich glaube, sie geniesst es, begehrt und angeschaut zu werden. Doch genau das ist einer der Punkte, die ich an mir ändern will: Mit dem Kopf denken. Aufs Gesicht schauen (wenn schon aufs Äussere schauen, was sich übrigens einfach nicht verhindern lässt) und nicht auf die Brüste und den Arsch (sorry wegen des «unschönen» Ausdrucks).
21. Mai 1996
Das Leben ist manchmal hart, wirklich verdammt hart! Doch wie heisst es so schön: Alles was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Da ist was Wahres dran!
Im Moment sieht es so aus als würde mein sehnlichst erwarteter Frankreichaufenthalt ins Wasser fallen, vielleicht besser so. Wenn es nur nicht alles noch sinnloser machen würde. Aber wie sagte Benji: Wäre das beste nicht auch am Negativsten das Gute zu sehen? Das Gute am Leben? Es selbst. Und wenn ich gar nicht mehr weiss, was mich am Leben hält, so wird es der Gedanke daran sein, dass auch ich irgendwann ein Mädchen «haben» werde, der mir das Leben rettet.
12. Mai 1996
(Muttertag, den ich übrigens völlig vergessen habe)
Draussen regnet es, es ist irgendwie völlig melancholische Stimmung. Gestern war ich mit Michael Billard spielen. Es war das erste Mal, dass ich längere Zeit mit Michael alleine war. Wir haben schon ein sehr seltsames Verhältnis zueinander, irgendwie ist er mir völlig fremd. Aber ich bewundere ihn, ich weiss nicht einmal genau warum. Der Abend war dann aber nicht der Wahn. Obwohl, das Billardspiel war eigentlich noch easy. Aber danach gingen wir noch mit drei Kollegen von Michael etwas trinken. Ich bin die ganze Zeit einfach wie ein Fremder dabei gewesen, ich war überhaupt nicht integriert.
Die einzige Person, mit der ich im Moment über alles sprechen kann, ist erstaunlicherweise Sonja. Aber die Sonja, die ich bisher kannte, hat mit der Sonja, mit der ich jetzt Briefkontakt habe, eigentlich wenig zu tun. Sie ist für mich wie eine Brieffreundin geworden. Im Moment würde ich ihr wirklich gerne schreiben.
Ich werde mir meine Haare natürlich nicht «färben», sondern «tönen». Ausserdem nicht blau, sondern «fire-rot», hoffentlich sieht es nicht allzu doof aus!
10. Mai 1996
So, hier bin ich wiedermal.
Ich habe wiedermal Briefkontakt mit Sonja aufgenommen. Es hat mir sogar einmal richtig Spass gemacht zu schreiben. Sonja hat wirklich ein schweres Leben! Nicht nur, dass sie keinen Freund findet und in der Schule immer mit dem Schlimmsten rechnen muss, nein, ihre Familie fällt auch noch auseinander. Und ausserdem hat sie mir erzählt, dass sie keine echten Freunde hat. Dagegen ist mein Leben der reinste Spaziergang.
Ich glaube, ich bin im Moment gerade das Ronja-Joana-Syndrom ein bisschen los. Beide sind sehr hübsch, aber ich brauche sie nicht unbedingt.
Ich werde meine Haare färben, wie wärs mit blau?
6. Mai 1996
Naja, die Schule hat wieder begonnen, aber da gleich Franz ausgefallen ist, ist das (wie bereits oben gesagt) easy. Joana und Ronja sind wirklich zwei sehr schöne Mädchen! Vor allem Ronja ist atemberaubend! Ach, wie wunderschön wäre doch das Leben, zu zweit meine ich. All I need is love! Aber die dafür ungeheuer!
4. Mai 1996
(morgens 1:16 Uhr)
Übermorgen muss ich wieder in die Schule, aber das ist easy… Sorry, dass ich jetzt nicht mehr weiterschreibe, aber ich hatte so verdammt lange an dieser Diktierkassette (DOMI-ERICH-Tape) –> 02:33 Uhr
28. April 1996
(morgens 1:20 Uhr)
Wir haben Frühlingsferien, schon seit fast (was heisst hier fast?!) einer Woche. Ich glaube, es wird endlich mal Zeit über zwei sehr wichtige Personen zu schreiben (mit denen ich übrigens am Donnerstag – d.h. Vor-vor-gestern – «Dead man walking» schauen gegangen bin): Ronja und Joana.
Joana:
Ist hübsch, humorvoll, liebenswert und ein wenig verrückt. Im positiven Sinne. Ich weiss eigentlich nicht, warum ich im Moment nicht so ein wahnsinnig gutes Verhältnis zu ihr habe, eine Zeit lang war ich mir schliesslich nicht mal sicher, ob ich nicht in sie verliebt sei.
Ronja:
Sie ist traumhaft schön, hat ein tolles Lächeln und wunderschöne Augen. Sie ist humorvoll, eine gute Gesprächspartnerin und meistens auch sehr liebenswert, ausserdem ist sie ein wenig egozentrisch. Obwohl ich mich in Sachen Liebe wiedermal geirrt habe, ist zwischen uns irgendetwas, zumindest wenn wir uns in die Augen sehen.
Hier noch ein paar Fotos:
[Fotos von Erich und Domi, Ina, Martina und Sina – und der Katze Strolch]
(abends 19:02 Uhr)
Ich habe endlich den Mut aufgebracht, zu Ina hochzufahren, um mein «friends» (Art «Andenkenbuch») zu holen. Ina war zwar nicht zu Hause, aber Mara war da. Nach einem kurzen Gespräch hat sie mir mein Buch schliesslich gebracht.
Es ist sehr wichtig als Andenken an die Klasse 2d von der Hohen Promenade. Auch für die «Sarina-Zeit» ist es wichtig, hier zwei «Ausschnitte»:
[Poesiealbum-Ausschnitt mit Bild von Sarina]
Ich glaube, meine Liebe zu Sarina war echter und stärker als ich geglaubt habe, echter auch als die Liebe zu Simone, Martina und Ronja (?).
[Poesiealbum-Ausschnitt mit Bild von Rachel]
Damals eine gute Freundin, aber die Freundschaft künstlich wiederzubeleben würde nicht funktionieren.
Wenn ich jetzt an diese Zeit, die 2d-Zeit meine ich, zurückdenke, so glaube ich, dass das alles einfach zwei Jahre zu früh war. Ich glaube, dass ich jetzt ein ganz anderes, viel engeres Verhältnis zu Sarina hätte, vielleicht ein ähnliches wie jetzt zu Ronja. Wenn ich mich jetzt für eine Klasse entscheiden müsste, würde ich das 1/2d der HoPro nehmen. Damals waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Leuten einfach zu gross, etwa so wie in meiner jetzigen Klasse (Philipp <–> Benji, Claudia <–> Ronja)
18. April 1996
Es wird Sommer, endlich!
Ronja liebt mich nicht und sie wird mich nie lieben. Das muss ich einfach endlich akzeptieren! Sie weiss nicht, dass ich in sie verliebt bin, sie ahnt es nichtmal. Das ist verdammt gut so, niemand weiss es und so erspare ich mir eine Menge Probleme! Ich muss jetzt versuchen, von der «Sucht» Ronja wegzukommen und mit ihr auf rein freundschaftlicher Basis weiterleben. Es wird einfacher werden, als es bei Anna war (bei der habe ich es nur wegen dem Kontaktabbruch geschafft), ich liebe Ronja zwar, aber auf eine andere Art, ich bin einfach wahnsinnig gerne mit ihr zusammen. Aber dazu kommt eben noch, dass ich sie wahnsinnig begehre!