1. Juli 94

Dies ist der erste Tagebucheintrag im neuen Zimmer.

Ich bin mir immer noch nicht sicher in wen ich verliebt bin. Wenn ich in der Schule bin, denke ich, dass ich in Sarina verliebt bin, wenn ich aber Anna sehe, denke ich, ich sei in sie verliebt! Es sind zwei Figuren aus zwei verschiedenen Leben.

Heute war ich wegen einer Zerrung im Oberschenkel nicht in der Schule. Domi brachte mir am Abend dieses Kärtchen von Sandra (ich hatte mit ihr gewettet, dass ich eine eins im Franz habe).

29.6.94

Ein Mann ist heute im Ländeli an einem Herzschlag (?) gestorben, morgen haben wir ein Latsch-Ex [Latein-Prüfung] und ich weiss nicht, ob ich in Anna, Sarina oder keine von beiden verliebt bin! Mir bricht alles über dem Kopf zusammen! Ich habe Panik und bin durcheinander!

RUHE!
SCHLAFEN!

24.6.94

Habe ich mich in Sarina verliebt? Liebe ich immer noch Anna? Liebe ich überhaupt niemanden?

Ich habe mich in Sarina verliebt! Wieder so ein hoffnungsloser Fall, nur dass ich sie wahrscheinlich, nachdem die Klasse getrennt wird, nie wieder sehen werde! Wann habe ich endlich mal Glück in der Liebe??!!!!!

19.6.1994

Als ich und Domi gestern Abend zu Domi nach Hause kamen, lag ein Mäppchen vor der Türe. Und, kaum zu glauben, in diesem Mäppli war die Zeitung versorgt. Ausserdem fand sich dort auch noch folgender Brief:

«Hoi Domi, Hoi Erich
Endlich hat auch diese Zeitung den Weg zu Euch gefunden! Entschulgigung für die grosse Verspätung! Es tut mir wirklich sehr leid! Anna und ich bedanken uns ganz herzlich für die tolle Zeitung. Sie ist wirklich hervorragend geschrieben und gestaltet worden! HERZLICHE GRATULATION! Die Mitgleider werden sich bestimmt über diese «Superzeitung» freuen.
Für die nächste Zeitungsausgabe habe ich bereits einen guten Bericht auf Lager! In diesem Bericht handelt es sich um den Obdachlosen Gipsy, der sein halbes Leben auf der Gasse verbracht hatte. Ich war Gipsy schon zweimal besuchen gegangen und habe mich mit ihm über seinen Tagesablauf, seine Kindheit und über seinen Alltag unterhalten. Ich werde Euch einmal noch einiges mehr über Gipsy berichten!
Nochmals herzlichen Dank und bis bald
Ina»

Natürlich werden wir uns von so einem lächerlichen Brief nicht umstimmen lassen! 75 Tage, das ist zu viel. Wir werden den Zick-Zack aufgeben.

Heute waren wir das erste Mal in diesem Jahr im Ländeli (wir = Domi, Pfister und ich). Und tatsächlich tauchte Anna auf. Obwohl ich nicht mehr in sie verliebt bin (?), muss ich zugeben; sie sah (bzw. sieht) toll aus. Vielleicht werde ich doch wieder Kontakt mit ihr haben im Sommer. Aber will ich das überhaupt?

Zwischenkapitel (28.5.94)

Zeittafel
Februar–März 1992Anfang des ganzen «Unglücks»: erste Anzeichen, dass ich mich in Anna verliebt habe
Juni 1992Klassenlager: Es wird mir bewusst, dass das die «wahre» Liebe ist.
– Peter und ich schreiben Ansichtskarte aus Pfila
– Fez: Näheres Kennenlernen
– Müliweiher
Juli–August 1992Sommerferien
– Kennenlernen Ina
– Staffetten im Ländeli
– Ping-Pong spielen und reden
– «Hochzeit» Mara und Roger
– Übernachtung unter Sternenhimmel
– Krach mit Pfister
Mitte August 1992Schulanfang
– Versöhnung mit Pfister
– Krach von Annas Seite
– erster Liebeskummer
September 1992Anna findet mich wieder nett (?)
Oktober 1992– Krach von Annas Seite
– Liebeskummer und Selbstmordgedanken
Mai–Juni 1993– Erster Kontakt seit langer Zeit mit Ina
– Treffen mit Anna
– Krach und Verzweiflung
August 1993– Neuer Kontakt entsteht durch Peter
– Aufnahme Zick-Zack
– Spielnachmittag
– mit Domi in Vorstand
– Amt der Zeitung
Oktober 1993– Arbeit an der Zeitung (rund um die Uhr)
– Spaghettiabend bei mir zuhause
– Fertigstellung der Zeitung
– Kontakt-Abbruch
Februar–März 1994– Kontakt-Wiederaufnahme
– Freitagabend-Treffen
April 1994– Fertigstellung der Zeitung
– Zum Durchlesen
> JETZT

25. Mai 94

Ich bin nicht ins Jugi gegangen, noch nicht! Zwei Wochen später bin ich dann gegangen, aber da Anna und Ina nicht aufgetaucht sind, war es nichts besonderes.

Man glaubt es nicht, aber wir haben die Zeitung, die wir ihnen nur zum Durchlesen gegeben haben, immer noch nicht zurück! Ich habe zwar zweimal kurz mit Ina geredet, aber das hat überhaupt nichts gebracht.

Der eigentliche Grund dieses Eintrages ist aber ein anderer. Ich kann es fast nicht glauben, aber ich habe tatsächlich jemanden gefunden der (oder besser gesagt «die») besser aussieht als Anna. Es ist zwar nur auf einem Plakat, aber sie sieht toll aus. Wenn ich mir dieses Plakat anschaue, spielen meine Hormone allesamt verrückt.

Dieses Plakat hängt an vielen Orten im Kanton Zürich und ich war bis gestern verrückt danach. Doch gestern wurden Domi und ich von Philipp darauf aufmerksam gemacht, dass man dieses Plakat gratis in einem Geschäft holen könne. Also gingen Daniel, Philipp, Domi und ich zusammen nach der Schule auf die Suche nach diesem Geschäft. Nach längerer Suche, fanden wir es. Obwohl es ein absoluter Frauenladen (nur Damenbadebekleidung) war, gingen wir hinein und bekamen auf Wunsch unsere 6 Poster (Plakate). Eines davon hängten wir im Klassenzimmer auf.

Doch, womit wir nicht gerechnet hatten, es gab riesen Proteste unter unseren weiblichen Mitschülern. Nachdem wir völlig zerstritten waren, hängten wir das Plakat wieder ab. Aber der Streit ist noch nicht vorbei.

Ich finde dieses Plakat (besser gesagt die Frau (ca. 16) darauf) einfach supermegagenial.

22. April 1994

Leider ist seit dem letzten Eintrag eigentlich nichts mehr passiert, ausser dass ich etwa vier Mal im Sinn hatte, mich umzubringen!

Domi und ich haben gleich am Ostermontag den Entwurf der Zeitung zu Ina zum Durchlesen gebracht. Doch seitdem haben wir nichts mehr von ihnen (Anna und Ina) gehört.

Es haben mich schon zwei Leute gefragt, ob ich nicht am Samstag (morgen) ins Jugi kommen wolle. Ich habe mich noch nicht entschieden.

Zusammenfassung:

In der Schule läufts scheisse, ich vermisse Anna und trotz der Ferien (Beginn heute) fühle ich mich zum Kotzen! Ist das Leben nicht scheisse?!!!

3. April 1994 (Ostersonntag)

Heute ist endlich die dritte Ausgabe der ZZZ [Zick-Zack-Zeitung] fertig geworden. Das Schöne daran ist: ich werde in Kürze Anna wiedersehen!

PS: Kurz aber «Oho».

1. April 1994

Ich habe es geglaubt, ich habe wirklich gedacht, dass ich ohne Liebe leben kann. Aber es gibt Momente, da glaub ich sterben zu müssen, weil ich mich so einsam fühle. Ich habe zwar meine Familie, Domi und meine Kollegen und auch Kolleginnen, aber trotzdem fühle ich mich einsam.

Obwohl ich weiss, dass Anna sich ganz, ganz sicher niemals in mich verlieben könnte, bin ich so naiv und mache mir noch Hoffnungen. Ich meine, Anna ist wahnsinnig attraktiv und ist unglaublich nett und ich bin sicher nicht im geringsten attraktiv und obendrein wahrscheinlich ein riesen Arschloch. Doch in meinen scheiss Träumen ist mir das völlig egal. Ich wollte, ich würde das Gefühl des Verliebtseins nicht kennen, aber ich tue es!

Zwischenkapitel (23.3.94)

Wer ist wer?

Eine der wichtigsten Personen in meinem Tagebuch (und auch in meinem Leben) ist Domi. Er ist seit etwa 10 Jahren mein bester Freund und steht mir (mehr oder weniger) immer bei. Er ist sehr gut in der Schule, weil er ziemlich viel lernt. Lange ist er mit Ina gegangen, bis sie vor ein paar Wochen mit ihm Schluss gemacht hat. Er ist immer noch unsterblich (?) in sie verliebt. Im Grossen und Ganzen bin ich sehr froh, so einen Kollegen (Freund!) zu haben! Ausserdem machen wir zusammen die Zick-Zack-Zeitung, die ein riesen Erfolg ist. Er ist mit Anna, Ina und mir im ZZ-Vorstand.


Das ist Pfister, ein guter Kollege. Er möchte sehr viel am Computer sitzen, Ping-Pong spielen und Fernsehen schauen. Er ist bei Anna und Ina seit dem Sommer 1992 nicht mehr so beliebt. Er ist ein guter Kollege, aber als Freund kann man ihn nicht bezeichnen.


Das ist Ina. Sie ist einer der nettesten und hübschesten (!) Menschen, die ich kenne! Leider ist das ein sehr schlechtes Foto von ihr. Sie ist die Cousine von Anna. Weitere Angaben findet man auch bei Domi.


Das ist Anna. Sie ist das hübscheste Wesen auf der Welt und zugleich der netteste Mensch, der mir je begegnet ist! Sie hat das schönste Lächeln, das man sich vorstellen kann, und eine traumhafte Figur. Kurz, ich bin bis über beide Ohren in sie verliebt. Und das seit über zwei Jahren (was für einen 14-jährigen Jungen eine lange Zeit ist).

Sie ist sehr sportlich und hat das ganze Zimmer voller Medaillen. Sie versucht in diesem Frühling die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium. Sie ist zusammen mit Ina die Gründerin des Zick-Zacks. Mit Ina ist sie nicht nur verwandt, sondern sie sind auch die besten Freundinnen. Sie ist mehr als ein halbes Jahr älter als ich (Geburtsdatum: 2.8.1978). Momentan geht sie so halbwegs mit Urs Meier, den ich einen super lässigen Typen finde, auch wenn das, glaube ich, nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Anna und Meier knutschen, glaube ich, ziemlich viel rum.* Doch, ich weiss nicht warum, aber es stört mich eigentlich nicht mehr.

Leider ist das das einzige gute Foto, das ich von Anna habe. Inzwischen ist sie natürlich noch viel hübscher geworden.

* Sorry für den ein wenig blöden Satz.


Und schliesslich: Ich.

Auch wenn es sehr schwer ist, über sich selbst zu schreiben, möchte ich es doch versuchen. Ich bin ein nicht gerade gutaussehender 14(1/2)-jähriger Junge, gehe auf Zürich ins Gymnasium und bin wahnsinnig verliebt. Ich bin einigermassen sportlich und hoffentlich auch erträglich (denn irgendeine gute Eigenschaft muss ja jeder Mensch haben, oder?). Ich trage bei ein paar Mädchen hier in Uetikon den Spitznamen «Schlimi», was mich aber mehr belustigt als kränkt (da ich sowieso nichts von diesen Mädchen halte!). Ich bin sehr romantisch und vielleicht ein bisschen zu sensibel. Momentan bin ich provisorisch (im Gymi), aber ich «Tubel» nehme das Leben immer noch viel zu locker. Im Grossen und Ganzen bin ich, glaube ich, ein ganz lustiger Boy!