19.6.1994

Als ich und Domi gestern Abend zu Domi nach Hause kamen, lag ein Mäppchen vor der Türe. Und, kaum zu glauben, in diesem Mäppli war die Zeitung versorgt. Ausserdem fand sich dort auch noch folgender Brief:

«Hoi Domi, Hoi Erich
Endlich hat auch diese Zeitung den Weg zu Euch gefunden! Entschulgigung für die grosse Verspätung! Es tut mir wirklich sehr leid! Anna und ich bedanken uns ganz herzlich für die tolle Zeitung. Sie ist wirklich hervorragend geschrieben und gestaltet worden! HERZLICHE GRATULATION! Die Mitgleider werden sich bestimmt über diese «Superzeitung» freuen.
Für die nächste Zeitungsausgabe habe ich bereits einen guten Bericht auf Lager! In diesem Bericht handelt es sich um den Obdachlosen Gipsy, der sein halbes Leben auf der Gasse verbracht hatte. Ich war Gipsy schon zweimal besuchen gegangen und habe mich mit ihm über seinen Tagesablauf, seine Kindheit und über seinen Alltag unterhalten. Ich werde Euch einmal noch einiges mehr über Gipsy berichten!
Nochmals herzlichen Dank und bis bald
Ina»

Natürlich werden wir uns von so einem lächerlichen Brief nicht umstimmen lassen! 75 Tage, das ist zu viel. Wir werden den Zick-Zack aufgeben.

Heute waren wir das erste Mal in diesem Jahr im Ländeli (wir = Domi, Pfister und ich). Und tatsächlich tauchte Anna auf. Obwohl ich nicht mehr in sie verliebt bin (?), muss ich zugeben; sie sah (bzw. sieht) toll aus. Vielleicht werde ich doch wieder Kontakt mit ihr haben im Sommer. Aber will ich das überhaupt?

Zwischenkapitel (28.5.94)

Zeittafel
Februar–März 1992Anfang des ganzen «Unglücks»: erste Anzeichen, dass ich mich in Anna verliebt habe
Juni 1992Klassenlager: Es wird mir bewusst, dass das die «wahre» Liebe ist.
– Peter und ich schreiben Ansichtskarte aus Pfila
– Fez: Näheres Kennenlernen
– Müliweiher
Juli–August 1992Sommerferien
– Kennenlernen Ina
– Staffetten im Ländeli
– Ping-Pong spielen und reden
– «Hochzeit» Mara und Roger
– Übernachtung unter Sternenhimmel
– Krach mit Pfister
Mitte August 1992Schulanfang
– Versöhnung mit Pfister
– Krach von Annas Seite
– erster Liebeskummer
September 1992Anna findet mich wieder nett (?)
Oktober 1992– Krach von Annas Seite
– Liebeskummer und Selbstmordgedanken
Mai–Juni 1993– Erster Kontakt seit langer Zeit mit Ina
– Treffen mit Anna
– Krach und Verzweiflung
August 1993– Neuer Kontakt entsteht durch Peter
– Aufnahme Zick-Zack
– Spielnachmittag
– mit Domi in Vorstand
– Amt der Zeitung
Oktober 1993– Arbeit an der Zeitung (rund um die Uhr)
– Spaghettiabend bei mir zuhause
– Fertigstellung der Zeitung
– Kontakt-Abbruch
Februar–März 1994– Kontakt-Wiederaufnahme
– Freitagabend-Treffen
April 1994– Fertigstellung der Zeitung
– Zum Durchlesen
> JETZT

Zwischenkapitel (23.3.94)

Wer ist wer?

Eine der wichtigsten Personen in meinem Tagebuch (und auch in meinem Leben) ist Domi. Er ist seit etwa 10 Jahren mein bester Freund und steht mir (mehr oder weniger) immer bei. Er ist sehr gut in der Schule, weil er ziemlich viel lernt. Lange ist er mit Ina gegangen, bis sie vor ein paar Wochen mit ihm Schluss gemacht hat. Er ist immer noch unsterblich (?) in sie verliebt. Im Grossen und Ganzen bin ich sehr froh, so einen Kollegen (Freund!) zu haben! Ausserdem machen wir zusammen die Zick-Zack-Zeitung, die ein riesen Erfolg ist. Er ist mit Anna, Ina und mir im ZZ-Vorstand.


Das ist Pfister, ein guter Kollege. Er möchte sehr viel am Computer sitzen, Ping-Pong spielen und Fernsehen schauen. Er ist bei Anna und Ina seit dem Sommer 1992 nicht mehr so beliebt. Er ist ein guter Kollege, aber als Freund kann man ihn nicht bezeichnen.


Das ist Ina. Sie ist einer der nettesten und hübschesten (!) Menschen, die ich kenne! Leider ist das ein sehr schlechtes Foto von ihr. Sie ist die Cousine von Anna. Weitere Angaben findet man auch bei Domi.


Das ist Anna. Sie ist das hübscheste Wesen auf der Welt und zugleich der netteste Mensch, der mir je begegnet ist! Sie hat das schönste Lächeln, das man sich vorstellen kann, und eine traumhafte Figur. Kurz, ich bin bis über beide Ohren in sie verliebt. Und das seit über zwei Jahren (was für einen 14-jährigen Jungen eine lange Zeit ist).

Sie ist sehr sportlich und hat das ganze Zimmer voller Medaillen. Sie versucht in diesem Frühling die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium. Sie ist zusammen mit Ina die Gründerin des Zick-Zacks. Mit Ina ist sie nicht nur verwandt, sondern sie sind auch die besten Freundinnen. Sie ist mehr als ein halbes Jahr älter als ich (Geburtsdatum: 2.8.1978). Momentan geht sie so halbwegs mit Urs Meier, den ich einen super lässigen Typen finde, auch wenn das, glaube ich, nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Anna und Meier knutschen, glaube ich, ziemlich viel rum.* Doch, ich weiss nicht warum, aber es stört mich eigentlich nicht mehr.

Leider ist das das einzige gute Foto, das ich von Anna habe. Inzwischen ist sie natürlich noch viel hübscher geworden.

* Sorry für den ein wenig blöden Satz.


Und schliesslich: Ich.

Auch wenn es sehr schwer ist, über sich selbst zu schreiben, möchte ich es doch versuchen. Ich bin ein nicht gerade gutaussehender 14(1/2)-jähriger Junge, gehe auf Zürich ins Gymnasium und bin wahnsinnig verliebt. Ich bin einigermassen sportlich und hoffentlich auch erträglich (denn irgendeine gute Eigenschaft muss ja jeder Mensch haben, oder?). Ich trage bei ein paar Mädchen hier in Uetikon den Spitznamen «Schlimi», was mich aber mehr belustigt als kränkt (da ich sowieso nichts von diesen Mädchen halte!). Ich bin sehr romantisch und vielleicht ein bisschen zu sensibel. Momentan bin ich provisorisch (im Gymi), aber ich «Tubel» nehme das Leben immer noch viel zu locker. Im Grossen und Ganzen bin ich, glaube ich, ein ganz lustiger Boy!

29. Juni 1993

Es ist so viel passiert in letzter Zeit, dass ich nicht mehr weiss, was ich noch glauben kann. Es war letzten Samstagabend als Anna bei Ina oben auftauchte. Zuerst war ich völlig schüchtern und wusste nicht, was ich denken sollte. Doch am Abend danach, als wir wieder zusammen waren, glaubte ich, dass mich Anna wieder nett finde. Am Montagnachmittag, als wir (Domi und ich) mit Roman im Ländeli waren, tauchten Anna und Ina auch auf. Sie setzten sich ziemlich weit weg von uns, aber in Sichtweite, hin. Ich ging, mehr als Show als aus etwas anderem, zu ihnen hin, und fragte sie, warum sie sich nicht neben uns setzten. Als sie antworteten, dass es an Roman liege, sagte ich, dass ich das gewusst habe. Ich ging voll Stolz zurück zu Domi und Roman Ich erzählte ihnen, was Anna und Ina gesagt hätten.

Gestern Abend (auch Montag) erfuhr ich, dass Ina und vor allem Anna das völlig mies für Roman und ausserdem sehr blöd von mir gefunden haben. Und dass Anna mich gar nicht so nett finde. Und, was ich immer noch nicht glauben kann, mir kamen die Tränen! Ich konnte das Weinen nicht unterdrücken. Erst jetzt merke ich, was für ein Arsch ich gewesen bin, und dass ich alles falsch gemacht habe. Ich Arsch!!!

26. Mai 1993

Ich mache jetzt ungefähr zum 5. Mal den Versuch, eine Art Tagebuch zu führen. Ich hoffe, dass es diesmal klappt. Na, auf jeden Fall ist heute etwas für mich sehr wichtiges geschehen. Roman, Domi und ich waren im Ländeli, weil es endlich wieder einmal genug warm war. Da tauchte prompt Ina, die die Freundin von Domi und gleichzeitig die Cousine von Anna ist, auf. Ich stelle alle meine Hoffnungen, dass sie und Anna mich je wieder nett finden, auf den Sommer. Ich will jedoch gegen aussen nicht zeigen, dass ich eine wahnsinnige Sehnsucht nach Anna habe. Ich versuchte also, so wie immer, ganz «cool» zu sein. Doch wie immer, wenn irgendjemand aus der Familie Frei oder Rüegg in der Nähe ist, ging es nicht. Meine Sprüche waren weder cool noch lustig. Und obwohl Ina zu mir nur ein paar Worte gesagt hat, musste ich heute Abend stundenlang über sie und Anna nachdenken. Ich hoffe trotz meinem uncoolen Verhalten immer noch auf ihre Zuneigung.